Es gibt Tage, an denen einfach alles zusammenpasst: strahlender Sonnenschein, eine außergewöhnlich schöne Strecke, historische Automobile, eindrucksvolle Kultur und vor allem Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen. Genau so ein Tag war die Jubiläumsausfahrt der Oldtimerfreunde Aschaffenburg anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens.

Bereits um 9.00 Uhr trafen sich 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 24 historischen Fahrzeugen an der Fasanerie in Aschaffenburg. Zwischen glänzendem Chrom, liebevoll gepflegtem Lack und vielen freudigen Wiedersehen begann der Tag mit einem Glas erfrischendem alkoholfreiem Sekt. Nach der Begrüßung und der Vorstellung der Route durch Organisator Christoph Schließmann setzte sich die Kolonne pünktlich in Bewegung.

Die ersten Kilometer führten über Schmerlenbach, Hösbach und Laufach in den Spessart. Schon hier wurde deutlich, weshalb Oldtimer gerade auf solchen Straßen ihren ganz besonderen Reiz entfalten. Abseits großer Verkehrsachsen erlauben sie ein entspanntes Cruisen, bei dem nicht Geschwindigkeit, sondern das bewusste Erleben der Landschaft im Mittelpunkt steht.

Über Lohr am Main führte die Route weiter nach Steinfeld. Von dort begann jener Streckenabschnitt, der bei vielen Teilnehmern als landschaftlicher Höhepunkt des Tages in Erinnerung bleiben wird. Über Urspringen, Birkenfeld, Uettingen, Holzkirchen und Höhefeld verlief die Strecke auf kleinen, nahezu verkehrsfreien Landstraßen durch eine der schönsten Kulturlandschaften Mainfrankens. Weit geschwungene Kurven, sanfte Hügel, dichte Wälder, bereits goldgelb abgeerntete Kornfelder und weite Ausblicke wechselten sich ständig miteinander ab. Immer wieder öffnete sich der Blick auf kleine fränkische Dörfer mit ihren Kirchen, Fachwerkhäusern und gepflegten Höfen. Gerade diese Kombination aus Ruhe, landschaftlicher Vielfalt und hervorragend zu fahrenden Straßen machte die Strecke zu einer echten Genussroute für historische Automobile. Viele Teilnehmer waren sich einig, dass sie selbst nach vielen gemeinsamen Ausfahrten selten eine derart harmonische und abwechslungsreiche Streckenführung erlebt hatten.

Gegen Mittag erreichte die Gruppe das malerisch im Taubertal gelegene Kloster Bronnbach. Das ehemalige Zisterzienserkloster wurde bereits 1151 gegründet und zählt heute zu den bedeutendsten Klosteranlagen Süddeutschlands. Über Jahrhunderte prägten die Mönche das geistliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben der Region. Die eindrucksvolle Klosterkirche, der Kreuzgang, die historischen Wirtschaftsgebäude und die weitläufigen Gärten spiegeln bis heute die Ideale des Zisterzienserordens wider: Bescheidenheit, Ordnung, handwerkliche Qualität und Beständigkeit. Gerade diese Werte schaffen eine bemerkenswerte Verbindung zur Welt der historischen Automobile.

Denn auch Oldtimer sind weit mehr als alte Fahrzeuge. Sie sind technische Zeitzeugen ihrer Epoche, entstanden aus Ingenieurskunst, handwerklicher Präzision und einer Formensprache, die bis heute begeistert. Wie historische Gebäude bleiben auch sie nur erhalten, weil Menschen Zeit, Leidenschaft, Fachwissen und Herzblut investieren. Ein Oldtimer wird nicht dadurch wertvoll, dass er alt ist – sondern weil er gepflegt, bewegt und bewahrt wird. Ebenso verhält es sich mit einem Ort wie Kloster Bronnbach. Seine Mauern erzählen Geschichte, weil Generationen Verantwortung für ihren Erhalt übernommen haben.

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Klosters bot sich ein stimmungsvolles Bild: glänzende Karosserien vor jahrhundertealtem Sandstein, klassische Automobile zwischen historischen Gebäuden – eine Begegnung zweier Kulturgüter, die eindrucksvoll zeigte, dass Vergangenheit lebendig bleiben kann.

In der stilvollen Orangerie wurden die Teilnehmer anschließend mit einem festlichen Jubiläumsessen verwöhnt. Das Team des Hauses überzeugte mit einer ausgezeichneten regionalen Küche und einem ebenso herzlichen wie aufmerksamen Service. Die entspannte Atmosphäre bot ausreichend Zeit für Gespräche über gemeinsame Erlebnisse, technische Details der Fahrzeuge und viele Erinnerungen aus einem Vierteljahrhundert gemeinsamer Leidenschaft. Rüdiger Bonneß gab einen Rückblick auf die Geschichte der Oldtimerfreunde Aschaffenburg. Mit zahlreichen persönlichen Erinnerungen ließen er die vergangenen 25 Jahre Revue passieren – von den Anfängen rund um das Aschaffenburger Automobilmuseum „Rosso Bianco“, aus denen sich die ersten Kontakte entwickelten, bis hin zur heutigen Gemeinschaft mit ihren zahlreichen Aktivitäten. Drei große Ausfahrten im Jahr, die Teilnahme an der Aschaffenburger Museumsnacht am Schloss sowie viele kleinere Veranstaltungen rund um Technik, Automobilgeschichte und Geselligkeit gehören inzwischen fest zum Jahresprogramm. Christoph Schließmann schilderte das Erfolgsgeheimnis der Oldtimerfreunde. Anders als viele Vereinigungen besitzt die Gemeinschaft bewusst keine formelle Vereinsstruktur, keinen eingetragenen Verein und keine umfangreiche Verwaltung. Die Oldtimerfreunde leben vielmehr von der freiwilligen Initiative des Organisationsteams und vom persönlichen Engagement jedes Einzelnen. Gerade diese Freiwilligkeit, so Schließmann, sei die große Stärke der Gemeinschaft. Niemand müsse mitmachen – jeder wolle mitmachen. Aus dieser gemeinsamen Begeisterung sei über die Jahre eine außergewöhnlich herzliche und lebendige Gemeinschaft entstanden, in der Hilfsbereitschaft, Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung ebenso selbstverständlich seien wie die Freude an historischen Fahrzeugen. Das verbindende Element seien nicht Satzungen oder Mitgliedsausweise, sondern die gemeinsame Leidenschaft für Technik, Kultur und schöne gemeinsame Erlebnisse.

Nach dem Mittagessen nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit, die eindrucksvolle Klosterkirche sowie die historischen Gebäude und Gärten von Bronnbach zu besichtigen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie eng Kulturgeschichte und Technikgeschichte miteinander verbunden sind. Beide erzählen von Menschen, die mit Sorgfalt, handwerklichem Können und Weitblick etwas geschaffen haben, das weit über ihre eigene Zeit hinaus Bestand hat.

Am Nachmittag führte die Rückfahrt zunächst durch Wertheim und Kreuzwertheim entlang des Mains nach Hasloch, Faulbach nach Heimbuchenthal. Kurvenreiche Spessartstraßen, schattige Waldpassagen und herrliche Ausblicke sorgten bis zum Schluss für ungetrübten Fahrgenuss. Den gelungenen Abschluss fand die Jubiläumsausfahrt bei einem gemeinsamen Kaffeestopp im Hotel Zum Wiesengrund in Heimbuchenthal. Bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen wurde noch einmal über die schönsten Momente des Tages gesprochen, Erfahrungen ausgetauscht und bereits die nächsten gemeinsamen Unternehmungen geplant.

Am Ende waren sich alle Teilnehmer einig: Diese Jubiläumsausfahrt war weit mehr als eine gemeinsame Ausfahrt mit historischen Fahrzeugen. Sie war eine Reise durch die Geschichte einer Region, eine Begegnung mit einem der schönsten Kulturdenkmäler Frankens und zugleich ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass technisches Kulturgut und lebendige Gemeinschaft zusammengehören.

Die Oldtimerfreunde Aschaffenburg haben in den vergangenen 25 Jahren gezeigt, dass Begeisterung, ehrenamtliches Engagement und Freundschaft keine Satzung benötigen. Sie leben von Menschen, die ihre Leidenschaft teilen und bereit sind, Zeit, Wissen und Herzblut einzubringen.

Oder, wie es an diesem Tag immer wieder spürbar wurde: Historische Fahrzeuge und historische Orte erzählen dieselbe Geschichte: Das Wertvolle bleibt nicht zufällig. Es bleibt, weil Menschen es achten, pflegen und an die nächste Generation weitergeben.

Text: Dr. Christoph Schließmann

Fotos: Rüdiger Bonneß